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Staatskunst Pioniernutzung Repräsentation

CommUnity - das Theater X in Berlin-Moabit

Das Theater X ist ein alternatives, intersektionales, selbstorganisiertes CommUNITY-Theater in Berlin-Moabit. An diesem Ort wird Jugendlichen ermöglicht, Kunst, Kultur und politische Bildung zu verknüpfen, um emanzipative künstlerische Produktionen zu schaffen. 

„Künstlerische und betriebliche Prozesse werden nicht getrennt voneinander betrachtet, sondern als gleichermaßen wichtige Elemente für emanzipative Kunstproduktion mit Jugendlichen und jungen Erwachsen verstanden. Zentral ist dabei das Prinzip der Augenhöhe zwischen den unterschiedlichen Bereichen des Theaters und insb. auch zwischen Mitarbeiter*innen und Jugendlichen.“ (1) 

Im Theater X arbeiten wir vorrangig mit Jugendlichen. Jedoch ist anhand der betrieblichen Struktur zu erkennen, dass es sich um einen intergenerationalen Verein handelt, in welchem auf Augenhöhe mit Personen jeden Alters zusammengearbeitet und produziert wird.

„Mit dem Theater X haben wir unser eigenes alternatives CommUNITY-Theater in Moabit geschaffen, das von Jugendlichen und Mitarbeiter*innen gemeinsam, im Co-Management, konzipiert und betrieben wird. […] Geleitet wird das Theater X von einer Arbeitsgemeinschaft, in der alle Bereiche des Theaters vertreten sind: der AG Intendanz aus Jugendlichen und Mitarbeiter*innen. Produziert wird in Regiekollektiven, in denen Jugendliche selbst die Regie, Dramaturgie, Technik und Produktion übernehmen – unterstützt durch Coaches in allen Bereichen. Hier lernen Jugendliche das Handwerk, um selbstbestimmt künstlerisch zu arbeiten – vom Schauspiel bis hin zu Lichttechnik und Veranstaltungsmanagement. Mit Spielzeiten aus Eigen- und Gastproduktionen und mit viel Raum für Initiativen und Perspektiven aus dem Kiez und den unterschiedlichen CommUNITIES Berlins und weit darüber hinaus versteht sich das Theater X als wichtiger junger und politischer Kulturort für Moabit und Berlin.“ (2)

Das Theater X schafft Kunst, jedoch ist diese nicht elitär und wird nicht ausschließlich durch eine Person dirigiert. Wir schaffen gemeinsam Kunst als CommUNITY, im Kollektiv. Verschiedene Perspektiven, Positionen und Geschichten gehen dadurch in die künstlerische Produktion ein. Der künstlerische Produktionsprozess und Resultate der künstlerischen Produktion sind als Empowermentarbeit zu verstehen, da im Produktionsprozess jede Stimme gehört und in die künstlerische Arbeit involviert wird. Hierfür werden diverse künstlerische Formate genutzt wie Theater, Kunst oder Rap, all diese dienen als Sprachrohr für Menschen die in dem herrschenden politischen sowie gesellschaftlichen Klima übersehen und zum Schweigen gebracht werden.

CommUNITY

Das Wort „Community“ kommt aus dem Englischen und bezeichnet eine Gemeinschaft von Personen, die das gleiche Ziel und gemeinsame Interessen verfolgen. Eine Community kennzeichnt sich durch ein Zusammengehörigkeitsgefühl und eine gewisse Gruppendynamik, die sich aus geteilten Werten und derselben Moralvorstellung entwickelt. Demnach ist sie von der Gesellschaft abzugrenzen, ist aber oft Teil dieser oder grenzt sich bewusst von ihr ab. Entsprechend ist der Zugang zu Communities beschränkt möglich.

Es sind vier kennzeichnende Merkmale für Gemeinschaften zu erkennen. Bei dem ersten handelt es sich um Unterscheidbarkeit, womit eine klare Abgrenzung von anderen Gruppen gemeint ist. Deutlich wird diese Trennung durch „uns“ und „die Anderen“. Ein weiteres Merkmal ist die überschaubare Anzahl an Mitgliedern, die sich meist alle kennen. Auch Homogenität in Bezug auf die Weltanschauung bzw. die Übereinstimmung von Ansichten, Einstellungen und Vorstellungen ist kennzeichnend für eine Community. Nicht zuletzt sind Communities selbstorganisiert, wie das Theater X in Berlin-Moabit. (3)

Oftmals wird eine Community aufgrund von beispielweise derselben Migrationsgeschichte, Alter, Bildungsstand, Religion, Sexueller Orientierung als homogen betrachtet. Jedoch ist dies bei dem Theater X nicht der Fall: Das Theater X als CommUNITY-Theater zeichnet sich durch die verschiedenen Perspektiven, Positionen und Erfahrungen in der CommUNITY aus. Hier wird voneinander gelernt und verlernt, um einen safe-space zu sichern, in welchem all jene aufeinandertreffen, die kein Bock mehr auf Sexismus, Rassismus, Gentrifizierung, Kolonialismus und vieles mehr haben. Die CommUNITY solidarisiert und empowert sich gegenseitig im Kampf gegen verschiedene Formen von Unterdrückung, die als intersektional operierend verstanden werden.

Eines der Ziele der Theater X CommUNITY ist die kritische Hinterfragung und Dekonstruktion von gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Im Theater X ist zu beobachten, dass genau dieser Dekonstruktionsprozess am ehesten in der CommUNITY umsetzbar ist, durch politische Bildungsarbeit, Empowermentarbeit und künstlerische Emanzipation. Die Geschichten der einzelnen sind unterschiedlich und doch ineinander verwoben. Durch das Erzählen der verwobenen Geschichten wird der Kampf von unten ausgeübt gegen die Unterdrückung von oben. Damit wollen wir gemeinsam dem rassistischen, kapitalistischen sowie sexistischen Machtsystem ein Ende setzen. Denn als CommUNITY sind wir am stärksten! Deshalb schreibt das Theater X CommUNITY mit großem „UNITY“, denn selbst wenn die Lebensbedingungen unterschiedlich sind und wir von intersektioneller Diskriminierung betroffen sind, kämpfen wir als CommUNITY, alle kämpfen gemeinsam und solidarisieren uns. Alle Stimmen, Perspektiven und Geschichten werden gehört und in die künstlerischen Produktionen des Theater X inkorporiert. Nils Erhard, Leitungsmitglied im Theater X beschreibt die Bedeutung von CommUNITY für das Theater X wie folgt:

„Wir sind alle Teil gesellschaftlicher Zusammenhänge, die aber für jede*n von uns sehr unterschiedliche Lebensbedingungen bereithalten, die einige von uns unterstützen und andere zum Teil heftiger Gewalt aussetzen […] CommUNITY heißt dann: Wir sind uns einig, dass es nicht geht, dass die aktuell herrschenden gesellschaftlichen und politischen Umstände einigen von uns das Leben zur Hölle machen, dass wir diese Umstände besser verstehen lernen und verändern wollen und wir versuchen, uns dabei zu unterstützen so gut es geht, mit und in diesen Umständen zu leben: Wohnen, Lebensunterhalt, formale Schul- oder Ausbildungsabschlüsse, Stress...auch wenn uns das sehr oft nicht gut genug gelingt und gerade für die so wichtige Supportarbeit oft die Ressourcen fehlen. Wir wollen all das zusammen tun und zusammen politisch-künstlerisch arbeiten, aus den unterschiedlichen Positionen und Perspektiven heraus, mit denen wir in der Welt sind. Klar ist aber, dass es die Perspektiven der von struktureller Diskriminierung und Gewalt Betroffenen sind, die den Ton angeben.“ (4)

CommUNITY bedeutet im Theater X, dass vor allem denen Personen, die von gesellschaftlichen Gewaltverhältnissen betroffen sind, eine Plattform gegeben wird, um sich künstlerisch auszudrücken. Die deutsche Kunst- und Kulturlandschaft verschreibt sich noch weiterhin der Hochkultur. Diese ist stark von Exklusion und einer Reproduktion von Machtverhältnissen geprägt. Die Theater X CommUNITY arbeitet in diesem Sinne gegen den gesellschaftlichen Kanon und füllt die Lücken der Repräsentation. Kunst soll inspirieren und ist nichtsdestotrotz nur ein Instrument. Denn das was mit der Kunst gemacht und von bzw. für wen diese bereitgestellt wird, ist relevant. Aus diesem Grund nutzen wir Kunst, um Menschen zum Denken anzuregen und erzählen jene Geschichten, die sonst unerzählt bleiben.

 

Quellen: 

(1) Theater X Website www.theater-x.com/uberuns [Zugriff 29.08.2019]
(2) Theater X Website www.theater-x.com/uberuns [Zugriff 29.08.2019]
(3) Vgl. de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft [Zugriff 29.08.2019]

 

Literatur:

Erhard, Nils / Theater X (2017): „Etwas in Bewegung setzten – über das „wir“ der Kunst und Community-Theater im Theater X“, in: Kulturelle Bildung im Kontext Asyl. Berlin: Kulturprojekte Berlin GmbH